und welcher patriotisch gesinnte Mensch wollte sich ernsthaft dieser Aufgabe entziehen!?

Unserem Mindelheimer Stadtrat Christian Sedlmeir wurde in einem Bericht über eine Stadtratssitzung in der Lokalzeitung unterstellt, „er stelle den Klimawandel generell in Frage“.

Dies konnte er so nicht stehen lassen und setzte sich deshalb mit der zuständigen Journalistin in Verbindung:

„Sehr geehrte Frau …..,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Leider kann ich Ihnen erst heute antworten, da ich im schönen Dresden unterwegs war. Grundsätzlich bin ich ganz Ihrer Meinung – und lebe das auch im Alltag –, dass wir auf unsere Natur und Umwelt sehr gut aufpassen müssen. Ich selbst wohne seit dem Jahr 2000 in meinem Haus und habe für meinen Garten noch keinen einzigen Liter Trinkwasser verbraucht, da ich konsequent eine Zisterne nutze. Zudem betreiben wir ein Balkonkraftwerk, das uns fast – wenn auch leider noch nicht ganz – autark macht.

Praktizierter Umweltschutz ist mir also ein persönliches Anliegen.

Fakt ist aber auch, dass wir historisch gesehen schon immer ein mehr als wechselhaftes Klima hatten. Ich habe mir das Buch „Die Mindel“ von Hans Müller einmal genau angesehen. Auf den Seiten 308 bis 314 finden sich dort Wetterberichte aus vergangenen Zeiten, entnommen aus alten Niederschriften der Klöster Ottobeuren, Roggenburg, Ursberg und Einsiedeln sowie der Memminger und Mindelheimer Zeitung der Jahre 1925 bis 1945. Diese Dokumente zeigen deutlich:

Wetterereignisse außerhalb der Normalität gab es schon früher – zu Zeiten, als es noch keine Autoabgase oder industrielle Massenemissionen gab.

Um das zu verdeutlichen, hier ein paar Auszüge aus dem Buch:

  • 722: Eine außergewöhnliche Sommerhitze mit ungewöhnlicher Trockenheit.
  • 870: Wegen unerträglicher Hitze fielen die Arbeiter auf den Feldern um; die Erde hatte überall tiefe Risse.
  • 944: Ein extrem lang anhaltender Winter. Ende Juni war die Erde noch gefroren, Laub und Gras wirkten wie versengt. Darauf folgte ein schweres Sterben von Mensch und Tier, sodass viele Häuser leer standen.
  • 1000: Ein schrecklich kalter Winter, gefolgt von einem extrem heißen Sommer. Seen, Flüsse und Bäche trockneten aus; verendete Fische verpesteten die Luft.
  • 1012: Gehäufte schwere Stürme, massive Wasserschäden und Erdbeben. • 1014: Von Anfang April bis Anfang August regnete es keinen einzigen Tropfen.
  • 1257: Der historisch schwerste und klimawirksamste Vulkanausbruch des Jahrtausends (Samalas, Indonesien, VEI 7). Die gewaltigen Schwefelmengen in der Atmosphäre führten 1258 global zu drastischen Kälteeinbrüchen und Hungersnöten auf der Nordhalbkugel. Mit meinen Ausführungen in der letzten Sitzung wollte ich genau das zum Ausdruck bringen: Wir müssen das Gesamtbild betrachten und die Kirche im Dorf lassen.

Wenn Deutschland komplett klimaneutral wird, entlastet dies die globale Atmosphäre direkt gerade einmal um etwa 1,3 bis 1,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Rund 98,5 Prozent werden von den großen Emittenten wie China, USA oder Indien verursacht. Klimaschutz muss sinnvoll und global gedacht umgesetzt werden – aber nicht um jeden Preis, und erst recht nicht so, dass wir dabei unsere eigene Wirtschaft zugrunde richten.

Deutschland gehört bei den Energiepreisen für private Haushalte und die Industrie bereits zu den teuersten Ländern in Europa. Der Strompreis liegt hierzulande mit rund 38 bis 39 Cent pro Kilowattstunde deutlich über dem EU-Durchschnitt von etwa 28,7 Cent. Hauptursache dafür sind die staatlich veranlassten Preisbestandteile, Steuern sowie die im europäischen Vergleich extrem hohen regionalen Netzentgelte. Auch die Firma GROB, bei der ich nun schon seit 1992 stolz arbeite, hat massiv mit diesen Energiepreisen zu kämpfen. Diese Standortnachteile rauben uns die Konkurrenzfähigkeit. Wir haben in der letzten Zeit bereits dringend benötigte Aufträge an internationale Mitbewerber verloren. Wenn die Industrie abwandert, verlieren wir das Fundament unseres Wohlstands – und damit auch die Mittel, um überhaupt in modernen Umweltschutz investieren zu können. Was ich mit dieser ausführlichen Nachricht mitteilen möchte:

Klimaschutz ja – aber sinnvoll, bezahlbar und mit gesundem Menschenverstand.“