Bei der letzten Kreisausschusssitzung am Montag, den 8. Juni wurde unter anderem ein Antrag von der Partei „Die Linke“ behandelt.
Hier ist der genaue Wortlaut des Antrags:
„Für den Kreistag und seine Ausschüsse werden quotierte Redelisten geführt. Dabei wechseln sich Redebeiträge von Frauen und Männern ab, solange sich Frauen zu Wort melden.“
Wie würde das in der Praxis aussehen?
Erste Wortmeldungen gehen ein
- Frau A (Fraktion X) meldet sich
- Herr B (Fraktion Y) meldet sich
- Herr C (Fraktion Z) meldet sich
- Frau D (Fraktion X) meldet sich
Der Vorsitzende erstellt nun die quotierte Liste:
- Frau A
- Herr B
- Frau D
- Herr C
Begründet wurde dieser Antrag wie folgt:
„Der Anteil der Frauen im Kreistag Unterallgäu liegt mit nur 30 % deutlich unter ihrem Anteil an der Bevölkerung des Landkreises. Diese Unterrepräsentation spiegelt sich erfahrungsgemäß auch in der tatsächlichen Beteiligung an Debatten wider. ……. Eine quotierte Redeliste schafft faire Redeanteile, stärkt die demokratische Kultur und trägt dazu bei, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. ……“
In der Diskussion machte auch ein Teil der anwesenden Frauen deutlich, dass sie sich im Gremium nicht benachteiligt fühlen und eine quotierte Redeliste nicht für notwendig halten.
Entsprechend fiel das Abstimmungsergebnis aus: Bis auf den Antragsteller selbst stimmten alle Mitglieder des Gremiums dagegen.
Unsere Stellungnahme dazu: Angesichts großer Herausforderungen wie Inflation, erodierender innerer Sicherheit, dem Verlust von Betrieben und Arbeitsplätzen sowie dem Schwinden kultureller Identifikation wirkt die Debatte über ein derart unbedeutendes Problem völlig unverhältnismäßig.
Unser Kreisrat Ernst Gradl machte dem Gremium deutlich, welche Gründe aus seiner Sicht dazu beitragen, dass der Frauenanteil in der AfD im Kreistag so gering ist (derzeit zehn Männer): Eine Frau auf unserer Liste zog ihre Kandidatur zurück, weil sie um ihren Arbeitsplatz fürchtete. Einer anderen wurde unmissverständlich signalisiert, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren werde, sollte sie sich weiterhin öffentli
ch für die AfD engagieren. Auf diese Schilderungen reagierte das Gremium nur mit Schweigen.
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